Über

Das Soziologische Institut der Universität Zürich organisiert im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS) den Kongress Gemeinwohl und Eigeninteresse.

Kongressthema: Gemeinwohl und Eigeninteresse

Das Verhältnis von Gemeinwohl und Eigeninteresse ist ein Grundthema der Soziologie, geht es doch um nichts Geringeres als den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wie wird dieser Zusammenhalt hergestellt? Sind soziale Normen, ist Kooperation das Resultat eigen­interes­sierten Handelns individueller Akteure? Oder ist das Handeln der Akteure bestimmt durch die Verpflichtung an das gesellschaftliche Gemeinwesen? Wie können Gemeinwohl und Eigen­interesse vermittelt werden? Welches die zutreffenden Antworten sind, ist in der Soziologie und in benachbarten Sozialwissenschaften bis hin zur Sozialphilosophie bis heute umstritten.

Dieser Frage widmen sich verschiedene theoretische Strömungen in unterschiedlichen Themengebieten und für eine grosse Vielzahl von gesellschaftlichen Phänomenen. Fragt die analytische Theoriebildung nach Mechanismen der Entstehung sozialer Ordnung, Kohäsion und Kooperationsnormen, eröffnen sich einer theoriehistorischen Perspektive vielfältige Fragen nach dem Verhältnis der beiden Begriffe in der Geschichte der soziologischen und sozialwissenschaftlichen Theoriebildung. In der Analyse von Gegenwartsgesellschaften werden unter dem Titel «Gemeinwohl und Eigeninteresse» zahlreiche aktuelle Fragen diskutiert, für die hier nur Beispiele genannt werden können: Was sind die Bedingungen für Gemeinschaftsbildung und eine funktionierende Zivilgesellschaft in komplexen und heterogenen Gesellschaften? Wie kommt es zu einer Moralisierung von Märkten? Wie verhalten sich Gemeinwohl und Eigeninteresse im Kontext von Familien-, Geschlechter- und Generationenbeziehungen?

Die in vielen westlichen Ländern steigende soziale Ungleichheit wirft gleichermassen die Frage nach dem Verhältnis von wirtschaftlichem Eigeninteresse und gesellschaftlicher Solidarität in Form von wohlfahrtsstaatlichen Leistungen und Umverteilung auf. Auf einer trans- und internationalen Ebene eröffnen sich vergleichbare Fragestellungen sowohl was die Entwicklung der Europäischen Union, als auch was den Umgang der Nationalstaaten mit der aktuellen Flüchtlingskrise angeht. Unterschiedliche theoretische Perspektiven, ein breites Spektrum an inhaltlichen Anwendungen – beides soll auf dem Kongress diskutiert werden.

Organisationskomitee

Peter-Ulrich Merz-Benz, Gisela Pfister, Klaus Preisner, Heiko Rauhut, Jörg Rössel, Katja Rost, Marc Szydlik, Claudia Hiestand, Nicholas Arnold, Pia Fleischlin.